Unterwegs im Auenland der Pleiße

Die Auenlandschaft im Süden Leipzigs, die sich weitläufig entlang der Weißen Elster und der Pleiße erstreckt, gehört zu den ältesten Siedlungsplätzen innerhalb der heutigen Kulturlandschaft Sachsens. Ob mit Auto, Rad oder zu Fuß unterwegs – allerorten dominieren die Hinterlassenschaften der Industrialisierung und des großflächigen Tagebauaufschlusses seit dem 19. Jahrhundert – doch nun bereits verwoben mit den Veränderungen der letzten Jahrzehnte, mit Renaturierung und Wiederbelebung der Region, etwa als Leipziger Neuseenland.

Zu meinen neuen Lieblingsplätzen gehört die Kleinstadt Rötha – manch einer kennt sie auch durch den Röthaer Stausee oder den Röthaer Obstwein mit der einst weithin bekannten Obstweinschänke. Doch auch archäologisch und historisch hat Rötha Bemerkenswertes zu bieten – das Typische, das sich hier durch die Zeiten zieht: man muss genau hinsehen und mitunter tief eintauchen in jenes Konglomerat aus Bodenfunden, Wällen und Gräben, aus Namen und Schriftzeugnissen, aus vielfältigen Relikten. Treffen alle Hypothesen zu, finden wir hier einen lokalen Mittelpunkt von außerordentlicher Güte. Wie das?

Schloss Rötha 2013 (mit einem Blick zurück ins Jahr 1860)

Schloss Rötha 2013 (mit einem Blick zurück ins Jahr 1860), Bildnachweis s.u.

Nun sei hier nicht alles ‚verraten‘, denn im März geht’s auf Entdeckung im Auenland in und um Rötha, zu Burgen, Siedlungen, Kirchen und Wegen.

Doch sei der Bogen vorab schon gespannt und einige Stationen benannt, beginnend beim  „Fuchsberg“, einer heute kaum noch sichtbaren Wallanlage aus älterer slawischer Siedlungszeit. Vielleicht gehörte sie zu jenen Burgbezirken (civitates), die der Bayerische Geograph im 9. Jahrhundert summarisch mit der Zahl 50 für den Stammesverband der Sorben (regio Surbi) überlieferte. Mit dem Bau des Stausees in den 1940er Jahren eingeebnet, konnte der Burgwall zuvor 1938 gegraben werden: die dabei zahlreich gefundenen Töpfe gaben als Röthaer Gruppe einem Typus mittelalterlicher Keramik ihren Namen.

Weiter geht’s zum „Groitzschberg“ am anderen Ufer des heutigen Stausees – einem Burgwall, dessen Areal mit dem davor liegenden wüsten Dorf vom 11. bis zum 14. Jahrhundert als Siedlungsstelle genutzt wurde. Zumindest hypothetisch ist hier der Mittelpunkt des Burgwardes Titibutziem zu sehen, den der Bischof und Chronist Thietmar von Merseburg 1017 zusammen mit Rochlitz erwähnte – die Quellen sprechen einesteils für Rötha, andernteils aber auch für das etwa 10 km entfernte Borna.

Als dritte mittelalterliche Wehranlage befand sich eine Wasserburg genau an jener Stelle, die später von den Schlossbauten der Renaissance und seit 1668 des Frühbarock (siehe Foto oben) überbaut wurde. Hier wohl saßen bereits die Herren von Rötha (1127 bis 1171), die zu den sehr früh überlieferten adligen Familien zählen; vermutlich waren sie auch die Bauherren der ursprünglich romanischen Georgenkirche gegenüber vom Schloss. Nach Mitte des 12. Jahrhunderts ging aus ihnen das Burggrafengeschlecht von Dohna hervor.

Seit dem Ausgang des 16. Jahrhunderts bestimmte die adlige Familie von Friesen die Geschicke über Stadt und Rittergut Rötha für etwa 350 Jahre. Viele ihrer Mitglieder waren als führende Beamte in sächsischen Staatsdiensten tätig. Während der Völkerschlacht 1813 kamen auf Schloss Rötha die gegen Napoleon verbündeten Monarchen Europas zusammen: Zar Alexander I. von Russland, Kaiser Franz I. von Österreich und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen. Am 17. Oktober hielten sie im Speisezimmer des Schlosses den entscheidenden Kriegsrat. Teile der Ausstattung dieses sogenannten Verbündetenzimmers sind derzeit in Rötha zu sehen. – 300 Jahre nach seiner (Neu-) Errichtung wurde das Schloss 1969, inzwischen in desolatem Zustand, abgerissen.

Doch um mehr zu erfahren und sich auszutauschen, gibt es eine Exkursion ins Auenland:  Wo und wann? Am 12. März 2016 in Rötha. Hier der Plan und die Akteure, initiiert von der Archäologischen Gesellschaft in Sachsen und dem Förderverein Rötha – Gestern.Heute.Morgen. Nun denn, auf ins Auenland!

 

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Bildnachweis: Schloss Rötha 2013 © S. Baudisch / Schloss Rötha um 1860. Kolorierte Lithographie aus Album Sächsischer Rittergüter und Schlösser (Ausschnitt), Foto: F. Heise, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Inv. Nr. S/1123/1999 (Gemeinfrei), https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40795839. / Fotomontage © Elisabeth Baudisch.
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